Nguyên Lê ist weit mehr als ein Jazzgitarrist; er ist ein musikalischer Grenzgänger, der die
Verbindung von Kulturen zu seinem Lebenswerk gemacht hat. 1959 in Paris als Sohn
vietnamesischer Eltern geboren, verkörpert er wie kaum ein anderer Künstler die Idee einer
„Weltmusik“, die weit über folkloristische Klischees hinausgeht.
Sein Weg zur Musik war ungewöhnlich: Ursprünglich studierte Lê Bildende Kunst und Philosophie,
bevor er sich ganz der Gitarre widmete. Diese intellektuelle und visuelle Herkunft prägt sein Spiel
bis heute – er „malt“ mit Klängen und entwirft komplexe, atmosphärische Texturen.
Bekannt wurde Nguyên Lê durch seine Fähigkeit, die westliche Jazz-Tradition mit der Pentatonik
und den feinen Verzierungen vietnamesischer Musik zu verschmelzen. Er spielt die E-Gitarre oft
wie ein traditionelles asiatisches Instrument, nutzt Mikrotonalität und innovative Effekte, um eine
völlig neue Klangsprache zu erschaffen. Seit den frühen 1990er Jahren ist er ein Aushängeschild
des renommierten deutschen Labels ACT. Alben wie Tales from Viêt-Nam machten ihn
international berühmt und zeigten seinen Mut, ethnische Wurzeln in einen modernen Kontext zu
setzen. Er arbeitete mit Größen wie Herbie Hancock, Wayne Shorter, Ornette Coleman und der
WDR Big Band zusammen. Für sein visionäres Schaffen wurde Nguyên Lê vielfach ausgezeichnet,
unter anderem mit dem renommierten Prix Django Reinhardt und der Ernennung zum Chevalier de
l’Ordre des Arts et des Lettres durch den französischen Staat. Heute gilt Nguyên Lê als einer der
einflussreichsten Gitarristen der Gegenwart, der beweist, dass Jazz keine Grenzen kennt, sondern
eine universelle Sprache ist, die Menschen über Kontinente hinweg verbindet.




